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Auf den Feldern in Rentfort ist es jetzt – Mitte Juni – eher ruhig, bevor in den nächsten Wochen die Ernte losgeht. „Das Regenwetter der letzten Tage hat uns auch ein wenig ausgebremst”, so Landwirt Bernd Im Winkel. Den zweiten Grasschnitt konnte man vergessen, und die Felder sind jetzt so durchgenässt, dass sie nicht für den Pflanzenschutz befahren werden können. Zeit für die Klauenpflege. Einmal im Monat kommt Klauenpfleger Christoph Im Winkel, gleichzeitig Tierarzt und Bruder des Rentforter Landwirts, auf den Hof an der Voßbrinkstraße zur Pediküre der 160 Milchkühe und etwa 50 bis 60 Jungtiere. „Eine Knochenarbeit”, weiß Azubi Niklas Küper, der Im Winkel assistiert. Trotz der harten Arbeit schafft ein Pfleger acht Tiere pro Stunde, etwa 40 am Tag. Zweimal im Jahr kommt so jedes Tier dran.

Die Kuh kommt in den Klauenstand
 Neben dem Handwerkszeug hat Im Winkel immer seinen Klauenpflegestand als Anhänger mit dabei. Darin werden die Tiere nach und nach einzeln fixiert – „das erleichtert die Arbeit und mindert die Unfallgefahr.” Ein Fuß nach dem anderen wird zunächst mit einer Bürste gereinigt, danach die Klaue mit einer Flex und Spezialscheiben zurückgeschnitten. Feinheiten werden mit dem Klauenmesser per Hand nachgeschnitten. Im Winkel erläutert: „Werden die Klauen nicht geschnitten, gehen die Tiere irgendwann lahm. Das tut weh und führt zu Entzündungen.” Liegt ein Sohlengeschwür vor (die Kuh geht lahm), wird unter der gegenüber liegenden, gesunden Klaue ein Holzklotz geklebt, um die erkrankte Klaue (jeder Fuß hat eine Innenund  Außenklaue) zu entlasten und ihr eine Heilungschance zu geben. In der Regel sei die Innenklaue wegen des starken Gewichts mehr belastet
als die Außenklaue. Bei der Pflege werde dies genauestens korrigiert. Ist es an einer Klaue zu einer Pilzinfektion gekommen, wird sie
mit einem Spezialmittel behandelt. Bernd im Winkel zahlt etwa 10 Euro pro Pflege und Kuh, „macht hochgerechnet rund 4000 Euro im Jahr“, weiß der Rentforter Landwirt. Das sei zwar eine teure Angelegenheit, so Im Winkel, aber nötig. Sparte man sich die Klauenpflege, würden sich die Tiere letztlich nicht wohl fühlen und weniger Milch geben. Und das dürfe eben nicht passieren.
Zum Kuh-Komfort zählt auch das Klauenbad: Alle Tiere gehen alle drei bis vier Wochen durch ein Wannenbad, in dem sich Wasser und Desinfektionsmittel befinden. „Im Sommer etwas weniger als im Winter, da dann auf der Weide eine natürliche Klauenpflege stattfindet.“ Auch die Kuhbürste ist nicht ohne Bedeutung: Zu jeder Zeit kann sich das Tier dort selbstständig bedienen. Im Winkel: „Sobald die Kuh die Bürste anhebt, beginnt sie zu rotieren.” Mit der Bürste können sich die Tiere gleichzeitig kratzen - und
reinigen. „Was sie gern tun.“ Angenehm gestaltet das Team um Bernd Im Winkel den Kühen auch ihre Liegeplätze im Stall: Wöchentlich bekommen die Tiere frisch gehäckseltes Stroh aus der Eigenproduktion. „Das ist Stroh, das wir im Sommer auf zehn bis zwölf Hektar Fläche ernten und extra einlagern.“

Fotos: Heinrich Jung Quelle: WAZ Gladbeck